Die Früchte, die unsere Obstbäume produzieren, sind sicherlich der Hauptgrund, warum wir sie überhaupt "halten" - obwohl ich da schon Zustände gesehen habe, die mich ernstlich daran zweifeln ließen...
Sie sind außerdem der Hauptgrund der Verwirrung, gerade auch bei Obstbaumbesitzern.
Dass die Frucht da am Baum hängt, ist für den Baum nämlich eigentlich nur Mittel zum Zweck - zur Erinnerung: Ziel eines Baumes ist die Vermehrung.
Sie soll vertragen, gefressen oder sonst irgendwie vom Baum fortgebracht werden - am besten in einem großen Umkreis - damit möglichst viele Nachkommen entstehen. Zu diesem alleinigen Zweck müssen die Früchte jedoch nicht sonderlich groß, knackig, saftig etc sein. Diese Attribute fordert der Mensch. Der Natur sind sie egal und genau deßhalb sind die ursprünglichen Früchte - Holzapfel, Steinbirne, Vogelkirsche usw - wenig bis kaum mit unseren heutigen Leistungssorten vergleichbar. Es gibt sie noch vereinzelt, doch die Namen nehmen das Erlebnis dieser Früchte schon vorweg und beschreiben sie recht gut.
Damit aber nun ein "ordentlicher" Apfel am Baum hängt, bedarf es einer Veredelung. Diese verhilft uns zu einer bestimmten Sorte. Zu den Gründen der Sorten später mehr.
Was wir wollen ist der Fruchtkörper - wie groß ist der Apfel, wie saftig die Kirsche, wie rot die Birne, wie steinlöslich die Pflaume usw. Diese Eigenschaften können wir aber nur garantiert erhalten, wenn wir veredeln. Es gibt also bereits einen Baum, der genau solche Früchte trägt. Von diesem Baum wird ein Reiß (1jähriger Trieb) geschnitten und auf eine passende Unterlage gesetzt (KORPULIERT). Der daraus wachsende Baum ist defacto kein Abkömmling oder Nachfahre sondern ein Teil des "Mutterbaums" an anderem Ort. - Ja, es klingt recht schwierig. -
Der eigentliche Abkömmling (Baum aus Samen) unseres tollen "Mutterbaums" - der, mit den ganzen tollen Eigenschaften - kann ein völlig anderes Fruchtbild hervorbringen. Das liegt in der Natur der Befruchtung. Kaum ein Obstbaum ist selbstfruchtend. Das heißt: Er benötigt sogenannte Befruchtersorten. Bei dieser Befruchtung wird anderes Erbgut herbeigebracht und geht zu 50% (da gehen allerdings die Meinungen auseinander) in das Erbgut des Samens (Apfelkern, Kirschkern etc.) ein. Resultat ist ein völlig anderer Baum, mit sehr wahrscheinlich völlig anderen Früchten.
Hier bewegen wir uns dann auf dem Gebiet der Kreuzung von Sorten - gezielte Pollengabe von einer bekannten Sorte an eine andere bekannte Sorte. Das Ergebnis ist jeweils offen. Die dann so entstandene neue Sorte wird ausgiebig beurteilt und getestet und irgendwann zum Anbau oder in den Handel gebracht.
Problematisch sind diese Kreuzungen, wenn die jeweiligen Sorten bereits Resultate aus Kreuzungen sind, gerade im Hinblick auf eine wachsende Zahl von Allergikern.
ALSO: Fruchtkörper ist nicht gleich Samen. Samen ist nicht gleich Sorte.